Liftboy - Auf und nieder...
16.12.2006

...immer wieder. Als Liftboy eines Luxushotels jagt ihr mit euren Gästen quer durch die Etagen. Ein herrlich abgedrehter Arcade-Trip oder doch nur was für Spieler mit einem guten Magen?


Dass ungewöhnliche Spielkonzepte derzeit ungemein angesagt sind, steht wohl außer Frage. So durften wir erst kürzlich in Rollercoaster Rush den Job eines Achterbahnbremsers übernehmen. Auch Liftboy schlägt genau in die Richtung „Freak-Berufe“. Den lieben langen Tag in einem muffigen Aufzug stehen, einen Schalter betätigen und sich mit grummeligen Hotelgästen herum ärgern, kann so etwas tatsächlich eine gute Grundlage für ein spaßiges Handyspiel sein?
Aus dem Leben eines Liftboys


Da steh ich nun, toll herausgeputzt, in meiner strahlend roten Uniform und warte darauf, wieder einen ganze Zugladung voller reicher Schnösel, abgedrehter Freaks und leicht bekleideter Damen durch die Stockwerke unseres Fünf-Sterne-Hauses zu befördern. Eigentlich gestaltet sich mein Job relativ einfach. Da jede Bewegung unnötig Energie verbrennt, besteht meine einzige Aufgabe darin, per Tatsendruck meinen Aufzug nach oben oder unten zu dirigieren. Eine stets präsente Übersichtskarte informiert mich dabei zuverlässig, in welchem Stockwerk „Kundschaft“ auf mich wartet. Voller Elan bugsiere ich den Lift ins entsprechende Stockwerk und warte darauf, bis die Herrschaften sich in meinen genauso kuscheligen wie mobilen Arbeitsplatz bequemt haben. Per Sprechblase teilen sie mir nur ganz flüchtig ihr Zielstockwerk mit – vor allem bei mehr Passagieren lautet hier Aufpassen die Devise.




Gerade in späteren Levels wird der Aufzug gerammelt voll und man sollte sich eigentlich eine clevere Strategie ausdenken, um möglichst viele „Kunden“ möglichst schnell und effektiv zu ihrem Ziel zu bringen. Basiert doch das gesamte Spielprinzip von Liftboy genau auf diesem Prinzip des effektiven Be- und Entladens. Nur wer die Passagiere nicht zu lange warten lässt, bekommt ein ordentliches Trinkgeld und damit Punkte gut geschrieben. Je mehr Zeit man vertrödelt, desto tiefer sinkt die Laune der Hotelgäste. Treibt man das Ganze auf die Spitze - was bei der ganzen Hektik oft unvermeidbar bist -, hagelt es sogar eine Beschwerde an die Hotelleitung, und der Spieler wird mit Minuspunkten abgestraft. Die Masse an Passagieren und die stetige Hektik sorgen leider dafür, dass ein koordiniertes Vorgehen sehr schnell sehr schwierig wird. Dank des rappelvollen Abteils ertappt man sich oft dabei, die Stockwerke einfach auf gut Glück anzufahren. Das Trinkgeld lässt sich also nur sehr bedingt durch spielerisches Können beeinflussen. Auch gut gemeinte Spielelemente wie das Rufen eines Mechanikers oder Small Talk tragen eher zum Chaos als zur Bereicherung des Spiels bei. So wird das Gefährt ab und an mal von technischen Störungen geplagt, die ein Techniker nur bei einer Leerfahrt lösen kann. Da der Aufzug aber nahezu immer gefüllt ist, wird die Reparatur zu einem Glücksspiel. Man hat auch die Möglichkeit, mit seinen Gästen über diverse Themen zu quatschen und so sein Trinkgeld aufbessern. Anhand des Aussehens muss man dabei das richtige Interessengebiet des Gastes einschätzen und drauflosplappern. Da sich die Themenauswahl arg umständlich gestaltet, ist die Fahrt meistens schon zu Ende, bevor das Gespräch überhaupt begonnen hat.

Technisch macht der Titel eine durchaus gute Figur. Die gestochen scharfen Bitmaps prahlen mit witzigen Animationen, bei denen man die Laune der Gäste sogar an ihren Gesichtszügen erkennen kann. Eine breite Palette von aberwitzig gestalteten Gästen lässt einen bei der Aufzugfahrt immer wieder schmunzeln. Sogar der „Flitzer“ im Adamskostüm hat einen kleinen Gastauftritt. Akustisch werden die Fahrten von einem netten Jazz-Soundtrack untermalt.



Auf und ab im Spielspaß-Aufzug
Eines vorweg: Die Idee von „Liftboy“ ist eigentlich genial. Ein abgedrehtes Szenario, eine aberwitzige Optik und sehr viele originelle Gameplayideen hätten den Titel eigentlich zum Hit werden lassen müssen. Doch leider wollen die verschiedenen Elemente nicht hunderprozentig ineinander greifen. Man hat nie wirklich das Gefühl, seinen Punktestand durch spielerisches Können beeinflussen zu können. Ein Tick zu viel Hektik und ein kleiner „Overkill“ an Spielelementen nehmen dem Titel leider den Wind aus den Spielspaßsegeln. So bleibt Liftboy ein netter Zeitvertreib mit viel ungenutztem Potenzial – ich freu mich auf einen ausgereiften zweiten Teil!

528 Liftboy



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